Ein Angebot während der Pandemie
Die Zeit des Lockdowns war für alle eine grundlegende Veränderung und forderte und als Mensch und im Beruf ziemlich heraus. Viele Diakon_innen berichteten davon, welche neuen Wege sie suchten und fanden, nah bei den Menschen zu sein und ihnen Mut und Vertrauen in diesen Zeiten zuzusprechen. Vielfältige neue Wege wurden gegangen, die Menschen zu begleiten und das Wort Gottes als Zuspruch weiter zu geben.
Vor einiger Zeit fragten wir, wie das geht, Diakon und Diakonin zu sein in Zeiten von Corona. Und wir erhielten viele tolle und Mut machende Berichte und Bilder voller Kreativität – als starkes Zeichen der Berufung im Beruf.
Die Portraits sind auf den Social Media -Kanälen des VEDD erschienen. Eine Auswahl haben wir hier zusammengestellt – viele weitere Portraits finden Sie in der Chronik unserer Facebook-Seite oder unserer Instagram-Seite:

„Normalerweise ist meine Arbeit im Seniorenzentrum auf Förderung von Gemeinschaft und Nähe ausgerichtet. Jetzt hüte ich die Regeln der Distanznahme. Ich unterstütze dabei das Engagement von Angehörigen und Nachbarinnen und Nachbarn mit ihren symbolischen Gesten der Nähe. Sie äußern sich in kreativen Kulturbeiträgen, struktureller Unterstützung und liebevollen Mitbringseln für die Bewohnerinnen und Bewohner. Das trägt uns. So schaffen wir das gemeinsam!”
Diakonin Andrea Steinkühler, Dipl. Sozialpädagogin, Koordination Sozialdienst in der Altenhilfe Bethel, Diakonische Gemeinschaft Nazareth, Bielefeld

„Mir wird aktuell besonders deutlich, wie notwendig Kontakte und konkrete Hilfen sind. Mit einem Team aus ehrenamtlichen Jugendlichen haben wir einen Einkaufsdienst für Menschen in der Risikogruppe eingerichtet, um gerade in dieser Ausnahmesituation diakonisch tätig zu werden.”
Diakonin, Charlotte Main, Jugendleiterin in der Evangelischen Kirchengemeinde in Essen-Werden, Martineum – Gemeinschaft evangelischer Diakoninnen und Diakone, Witten

„Gemeinsam mit meinem Sohn im Homeschooling. Eigenstudium ist da schon schwierig und erfordert eine ganz andere Organisation. Auf der Arbeit gilt es, flexibel zu sein, Neues auszuprobieren und gemeinsam gesund durch die Krise zu kommen.”
Zukünftige Diakonin Christina May, Ergotherapeutin in der Tagesförderstätte, Diakonische Gemeinschaft Paulinum, Bad Kreuznach

„Diakon in Corona-Zeiten heißt für mich keinen einzigen Tag ohne Kinder zu sein. Am Anfang waren es vier Kinder, die in die Notbetreuung kamen, mittlerweile sind es schon wieder 35. Mit vier Kindern ist das natürlich etwas anderes, als der normale Alltag. Langweilig wurde es trotzdem nie. Neben dem Kontakt zu den Kindern und Eltern gab es viel zu tun: Nachmittags viel konzeptionelles Arbeiten und vormittags Putzen. Das ganze Haus wurde von oben bis unten geschrubbt. Ich habe allein drei Tage damit zugebracht, jeden einzelnen Ball im Bällebad zu reinigen. Die Arbeit mit den Kindern macht mir definitiv mehr Spaß! Langsam geht es wieder rund im Haus, auch wenn von Normalbetrieb noch lange nicht die Rede sein kann.”
Diakon Christopher Bornowski, Tageseinrichtung Waldwichtel für Kinder, Rummelsberger Brüderschaft, Schwarzenbruck

„Osterandacht vor der Tür des Altenwohnheims. Unterstützt durch die Trompeten, sende ich den Segen zu den Menschen hinter den Fenstern.
Diakonin Claudia Rackwitz-Busse, Stiftung Das Rauhe Haus Hamburg, Brüder- und Schwesternschaft des Rauhen Hauses, Hamburg

„In Zeiten der Pandemie findet Unterricht vielfältig mit vielen kreativen Ideen statt: Am Telefon, per Zoom-Konferenz und zum Teil auch persönlich mit viel Abstand. Mit Musik gelingt hier so manche Brücke und Verbindung. Zwar ist alles viel aufwändiger, aber das Lachen vergeht uns trotzdem nicht. Wir lernen auf anderen Kanälen und auch mit anderer Intensität.”
Diakonin Anke Tobian, Dozentin an der Hephata Akadamie, Diakonische Gemeinschaft Hephata, Schwalmstadt-Hephata

„Seit der Corona-Krise müssen die wöchentlichen Treffen und die regelmäßigen Tagesfahrten ausfallen. Stattdessen telefoniere ich fünf bis sechs Stunden mit den Seniorinnen und Senioren. Viele freuen sich über den Anruf und die Sorge um sie. Manche nutzen den Kontakt, um aus ihrem Leben zu erzählen, weil sie sich gerade besonders einsam fühlen. Sie haben Sehnsucht nach Gottesdiensten und den Seniorenkreis-Treffen. Ich stelle mich darauf ein, dass wir noch länger Telefonkontakte anbieten. Die alten Menschen gehören zur Risikogruppe. Wir bleiben aber ohne persönliche Treffen trotzdem nah an ihnen dran.”
Diakonin Veronika Fleps, Gemeinde- und Seniorenarbeit in Amberg
Diakoninnengemeinschaft Rummelsberg, Schwarzenbruck

„Einrichtung einer Klön-Bude, wo sich Bewohner*innen und Angehörige nach wochenlangem Besuchsverbot geschützt begegnen können. Man muss immer wieder Entscheidungen treffen, für die man keine Orientierung hat, außer der eigenen Logik, seinem Bauchgefühl und der Erfahrung!”
Diakon Ulli Bartels, Leiter Altenwohnheim Haus Weinberg
Brüder- und Schwesternschaft des Rauhen Hauses, Hamburg

„Mein tägliches Handeln liegt in der Bereitschaft, nah bei den Menschen zu sein, die Hilfe und Unterstützung in der Corona-Krise benötigen. Ich will Menschen helfen, diese schwierige Zeit zu überbrücken und ihnen Motivation für die Zukunft geben. Ich engagiere mich beim Lebensmittel-Bringdienst der Tafel, weil die Versorgung mit genießbaren Lebensmitteln den Hunger lindert. In meiner ersten Tour beim Bringdienst habe ich Menschen angetroffen, die uns voller Dankbarkeit und Erleichterung die Tür geöffnet haben. Die entgegengebrachte Wertschätzung war emotional und anrührend. Das gute Gefühl, Menschen zu unterstützen, die Hilfe gut gebrauchen können, ist eine starke Motivation für weitere Touren.”
Diakon Tony Sinke, Kirchenkreisjugenddienst in Osterholz-Scharmbeck, Landeskirche Hannover

„Ich stehe auf einem Hügel am Ortsrand von Steindorf bei Wetzlar. Im Hintergrund sieht man die Steindorfer Kirche. Das Bild ist meinem Online-Auftritt am Ostermorgen entnommen. Ich richte mich an die Gemeinde mit dem Satz und der Botschaft: “Christus ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!”. Das “Auferstehungskreuz” symbolisiert, dass uns Christen durch das offene Grab hindurch bereits die Sonne des Ostermorgens entgegenstrahlt. Diese frohe Botschaft hilft – auch und gerade in Zeiten von Corona”
Stefan Zeiger, Gemeindediakon in Albshausen und Steindorf
Diakonische Gemeinschaft Hephata

„Neue Wege entdecken, Beziehungen pflegen und Gemeinschaft auf Distanz leben. Das versuchen wir jeden Tag aufs Neue in unserer Kirchengemeinde und machen überraschende und gute Erfahrungen.”
Sascha Dornhardt, Diakon im Pastoraldienst in Bochum-Stiepel
Martineum – Gemeinschaft evangelischer Diakoninnen und Diakone, Witten

„Auch wenn eigentlich das Singen in Kirchen und unseren Senioreneinrichtungen verboten ist: Wir singen mit Abstand im Garten und bereiten so allen Bewohnerinnen, Feierabendschwestern, Mitarbeiterinnen große Freude. Und ehrlich: Wir selbst freuen uns auch, so singen zu können und das Lob Gottes weiterzutragen.”
Diakonin Roswita Buff, Älteste der Gemeinschaft
Diakonische Schwestern- und Brüderschaft Neuendettelsau

„Wie sich “Freiheitsentzug” anfühlt, können wir mit Corona erahnen. Wenn allerdings im Gefängnis noch das letzte bisschen Freiheit entzogen wird, ist das für die meisten unvorstellbar. In meiner Arbeit ist es umso wichtiger, Gefangene zu besuchen. „Ich bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir gekommen“ (Mt 25, 36). Eines der sieben Werke der Barmherzigkeit gehört zu meinem beruflichen Alltag.”
Diakon Rainer Fuchs, Studienleiter an der Gemeindeakademie der Evang.-Luth. Kirche in Bayern (ELKB) in München, Rummelsberger Brüderschaft, Schwarzenbruck

„Ich komme auf Bestellung mit Gitarre in den Garten vors Haus. Dort singe und bete ich mit meinen „Kunden“ und schenke so ein Stück Gemeinschaft. Im Grunde ist das niederschwellige Seelsorge am Zaun! Im Lieferdienst ist gleich noch eine Idee im Gepäck: Ich bringe zu jedem Treffen eine leere Postkarte mit dem Glockenturm der Gemeinde mit. Auftrag an die Menschen ist, dass sie diese Karte an eine Person schicken, bei der sie glauben, dass sie einen Gruß gut gebrauchen können!”
Diakonin Nicole Meyer, Kirchengemeinde St. Petrus Hamburg-Harburg, Brüder- und Schwesternschaft des Rauhen Hauses, Hamburg

„Es sind zum Teil einsame Nachtschichten auf der Covid-19-Isolierstation. Niemand darf hineingelassen werden. Das ist manchmal ganz schön schwierig. Die Patient*innen sind voller Angst und gleichfalls dankbar für unsere Nähe, Freundlichkeit und Zuwendung.”
Diakonin Mirjam Rudewig, Krankenschwester im Diakonie-Krankenhaus Marburg-Wehrda, Diakonische Gemeinschaft Hephata, Schwalmstadt-Hephata

„In unserem Wohnheim hatten sich neun Bewohnerinnen und Bewohner und zwei Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert. Wir mussten da durch. Wir haben es geschafft. Alle sind wieder gesund. Wir sind vor Schlimmerem bewahrt geblieben. Gott sei Dank.”
Diakonin Claudia Heydenreich, Mitarbeiterin in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderung, Diakonische Gemeinschaft Nazareth, Bielefeld

„Mein Arbeitsplatz hat sich schwerpunktmäßig nach Hause verlegt und ich vermisse den lebendigen und direkten Austausch mit Menschen. Aber auch das ist geschehen: Vieles gelingt, wenn oder weil die Grundlage für das Handeln stimmt: Die Kommunikation des Evangeliums.”
Diakon Dietrich Schneider, Öffentlichkeitsreferent im Evangelischen Kirchenkreis Unna, Martineum – Gemeinschaft evangelischer Diakoninnen und Diakone, Witten

„Nach 20 Jahren Berufserfahrung weiß ich: Auch wenn es anstrengend wird, dürfen Herz und Humor nicht fehlen.”
Diakonin Elfi Heinrichs, Kinder- und Jugendarbeit in St. Martini Bremen, Schwestern- und Brüderschaft des Evangelischen Johannesstifts, Berlin

„Auch in diesen Zeiten darf auf die Behandlung von schwerstkranken Menschen nicht verzichtet werden. Es braucht daher noch mehr Improvisationstalent und Einfühlungsvermögen als sonst.”
Diakonin Elke Keim, Physiotherapeutin im Palliativ-Team, Diakonische Gemeinschaft Paulinum, Bad Kreuznach

„Seeleute verbringen bis zu neun Monate ihrer Arbeits- und Freizeit mit ihrer Crew auf engstem Raum an Bord. Eine Infektion dort wäre dramatisch. In unserem Wohnheim betreuen wir infizierte Seeleute in Quarantäne. Des Weiteren haben wir ein Online-Seelsorgeangebot für Schiffsbesatzungen geschaffen. Auch in Corona zeigen wir Flagge und sind da, wo wir gebraucht werden!”
Seemannsdiakon Fiete Sturm, Diakonische Gemeinschaft Nazareth, Bielefeld

„Um 12 Uhr auf der Aussichtsplattform der Peterskirche die Trompete über Görlitz erschallen lassen. Mütter mit Kindern winken von Balkonen, ältere Menschen sitzen an Fenstern. Sie freuen sich und nehmen Kirche hörbar wahr.”
Diakon Gotthard Pissang, Sozialarbeiter im Ruhestand, Brüder- und Schwesternschaft Martinshof e.V., Rothenburg/Oberlausitz

„Geschlossene Werkstätten und Beschränkungen in der ambulanten Betreuung. Trotzdem viele persönliche Gespräche per Telefon oder Zuhause vor Ort. Übersetzer, Tröster, Berater sein und das nicht nur in Sachen Frisur.”
Diakon Hanno Roth, Berufsbetreuer, Eisenach, Brüder- und Schwesternschaft Johannes Falk Eisenach

„Abstand können wir uns nicht leisten. Wir sind 100 Prozent im Kontakt mit den Kindern. Das geht gar nicht anders. Gerade in diesen Zeiten müssen Kinder in den Arm genommen werden. Kinder, die nicht in ihren Familien leben können, weil sie eine besondere Förderung und Unterstützung brauchen, weil die Eltern bei der Erziehung überfordert oder selbst beeinträchtigt sind, weil es zu Gewalt oder Missbrauch in der Familie kam. ”
Diakonin Irmhild Romeik, Sozialpädagogin und Gruppenleiterin einer Kinderwohngruppe, Diakonische Gemeinschaft Hephata, Schwalmstadt-Hephata

„Rund um die Uhr da sein, Patienten versorgen, Nähe und Trost spenden. In der Tradition der heiligen Elisabeth von Thüringen diakonisch handeln.”
Diakon Jens Lange, Krankenpfleger im St. Elisabethen Krankenhaus, Brüder- und Schwesternschaft Johannes Falk Eisenach

„Da ich aktuell nicht in mehreren Einrichtungen Beratungen anbieten kann, konzentriert sich meine Arbeit auf ein Haus. Hier begleite ich demente Bewohner im Alltag und versuche die Nähe zu geben, die durch das Besuchsverbot von Angehörigen wegfällt.”
Diakon Johannes Swoboda, Altenpfleger in Stiftung Diakonie St. Martin, Brüder- und Schwesternschaft Martinshof e.V., Rothenburg/Oberlausitz

“Unkonventionelle Ideen haben, Menschen mit 1,50 Meter Abstand nahe sein und Gutes tun. Zum Beispiel: Bei schönem Wetter mit Traktor und Anhänger Eis an Bewohner und Bewohnerinnen verteilen.”
Diakon Jörg Lehmann, Einrichtungsleiter im Bereich Wohnen für Menschen mit Körperbehinderungen, Diakonische Gemeinschaft Paulinum, Bad Kreuznach


