Hauptversammlung 2024

Vom 28. bis 30. Oktober haben sich Delegierte aus allen 20 Diakon:innen- und Diakonatsgemeinschaften in Deutschland zur gemeinsamen Hauptversammlung im Evangelischen Johannesstift in Berlin getroffen. Traditionell begann der erste Tag mit einem Gottesdienst um 17 Uhr und ging in einen Kennenlern- und Spieleabend über.

Denn jedes Jahr wechseln einige der Delegierten, so dass immer neue Menschen auf Menschen treffen, die seit vielen Jahren im VEDD aktiv sind. Spiele für größere Gruppen wie Hitster, Top 10 und Just One sorgten für den notwendigen Austausch.

Am nächsten Tag ging es direkt in den ersten Teil des Geschäftsteils über – denn die Hauptversammlung ist das wichtigste Gremium des VEDD und es gilt, Berichte zu hören, Haushaltsentscheidungen zu treffen und Wahlen durchzuführen. In der Mittagspause sorgte Diakon Lars Madel mit einer Führung über das Gelände für die notwendige Bewegung, bevor es am Nachmittag fachlich wurde: Aus vier Gemeinschaften berichteten Referent:innen von der Beziehung zwischen diakonischer Gemeinschaft und diakonischem Unternehmen. In Ad-hoc-Gruppen konnten sich die Teilnehmenden hinterher miteinander austauschen.

Der Abend lag – ebenfalls eine Tradition – in der Hand der gastgebenden Gemeinschaft. Die Schwester- und Brüderschaft des Evangelischen Johannesstifts unterhielt die Gruppe mit einem bunten musikalischen Programm.

Heute morgen schloss sich der zweite Abschnitt des Geschäftsteils an. Der Nominierungsausschuss wurde gewählt, denn im kommenden Jahr stehen Vorstands-Neuwahlen im Verband an. Der Nominierungsausschuss wird diese Wahlen vorbereiten und durchführen. Auch die Ergebnisse von gestern wurden im Plenum präsentiert. Mit einem Agapemahl, das die Geschwister des Johannesstifts vorbereitet hatten, wurden die Delegierten und Gäste zurück in ihren Alltag entlassen. „Ich habe eine hohe Identifikation mit dem VEDD wahrgenommen und einen sehr wertschätzenden und geschwisterlichen Umgang miteinander”, zog Tobias Petzoldt, der Geschäftsführer des VEDD, Bilanz. „Besonders schön fand ich, dass aus allen 20 Gemeinschaften Geschwister mit dabei waren.“

Gemeinschaften als Werteherz

Diakonische Gemeinschaften und ihre Rolle in diakonischen Unternehmen

Die Welt wandelt sich – davor verschließen auch diakonische Gemeinschaften nicht die Augen, wie sich beim Fachgespräch im Rahmen der Mitgliederversammlung des Verbands evangelischer Diakonen-, Diakoninnen- und Diakonatsgemeinschaften e.V. gezeigt hat. Aus allen 20 Mitgliedsgemeinschaften waren Delegierte für die drei gemeinsamen Tage nach Berlin ins Evangelische Johannesstift gereist.

Neben dem Geschäftsteil und dem geselligen Austausch stand vor allem der fachliche Diskurs zu den Veränderungen im diakonischen Arbeitsfeld im Mittelpunkt. Viele diakonische Gemeinschaften befinden sich in einer ähnlichen Situation: Die diakonischen Unternehmen, denen sie durch oft lange Geschichte verbunden sind, verändern sich. Säkularisierung und Fachkräftemangel sind nur zwei Schlagworte, die diese Veränderung beschreiben. Wie können die Gemeinschaften darauf reagieren?

Von einem Weg berichtete Diakonin Claudia Rackwitz-Busse, Konviktmeisterin der Brüder- und Schwesternschaft des Rauhen Hauses in Hamburg. Sie erzählte von den vielen Situationen des Wandels, denen die Gemeinschaft in den mehr als 190 Jahren ihres Bestehens bereits begegnet ist. Die Brüder- und Schwesternschaft geht nun zukünftig einen besonderen Weg: Als eingetragener, gemeinnütziger Verein ist sie selbstständig und wird mit der Stiftung „Das Rauhe Haus“ wirkungsvoll zusammenarbeiten. Vier außerordentliche Mitgliederversammlungen waren nötig, um diesen Weg gemeinsam mit den Gemeinschaftsmitgliedern zu beschreiten. „Die Veränderung behagt nicht allen. Doch ich vertraue auf unsere Kultur- und Struktursensibilität und auf eine gute Portion Mut“, fasste Claudia Rackwitz-Busse zusammen. „Unsere besondere Beziehung zum Rauhen Haus wird immer eine wichtige Rolle für uns spielen.“

Von Erfahrungen und aktuellen Entwicklungen aus den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel berichteten Diakon Wolfgang Roos-Pfeiffer, Direktion der Stiftungen Sarepta und Nazareth in Bethel, und die Älteste der Diakonischen Gemeinschaft Nazareth, Diakonin Friederike Beuter. Während in den Anfängen nahezu alle in Nazareth ausgebildeten Diakone irgendwo in Bethel arbeiteten und wesentlich zum Wachstum des Unternehmens beitrugen, werden heute mehr und mehr Menschen Diakon oder Diakonin, die in den Feldern der verfassten Kirche beruflich tätig sind oder werden wollen. „Diakonische Unternehmen sind gleich mehreren Krisen ausgesetzt: Solchen in der Sozialwirtschaft, wie auch jenen in der Kirche. Das führt dazu, dass sich das Berufsprofil für Diakoninnen und Diakone ändert und vor allem in der Diakonie neu geschärft werden muss“, erläuterte Wolfgang Roos-Pfeiffer. „In Bethel geschieht das aktuell unter anderem mit Hilfe von Diskussionen und strategischen Gesprächen über Bildungs-, Führungs- und Kulturfragen in Gremien des Unternehmens, aber auch in Gesprächen über die Rolle und Aufgaben von Diakoninnen und Diakonen an ihren jeweiligen Einsatzorten“, ergänzte Friederike Beuter. Zusammen mit dem Unternehmen würden so Spielräume geschaffen für die Gestaltung und das Sicht- und Spürbarwerden christlichen Glaubens als Grundlage der Kommunikation des Evangeliums in Wort und Tat, also diakonischen Handelns. Auf diese Weise trage Gemeinschaft dazu bei, das diakonische Profil Bethels zu schärfen und zu bewahren in einer Zeit, in der eine christliche Sozialisation keine Selbstverständlichkeit mehr ist.

Aus der Brüder- und Schwesternschaft Martinshof brachten Diakonin Anne Schubert und der Gemeinschaftsälteste Diakon Stefan Zeller konkrete Ideen für die gute Vernetzung zwischen Gemeinschaft und Unternehmen mit. „Das Unternehmen stellt alle Mitarbeitenden des Martinshof für die Hälfte der Arbeitszeit frei, wenn diese die Diakonenausbildung absolvieren“, so Anne Schubert. Ihrer Erfahrung nach ist es besonders wichtig, die Begegnung zwischen Mitarbeitenden und Gemeinschaft zu ermöglichen. „Wir bieten verschiedene diakonische Formate an, die offen für Mitarbeitende am Martinshof sind: Die diakonische Pause, gemeinsame Feste, Pilgerreisen, den Willkommenstag.“ Die gemeinsam genutzte Kapelle sei ein wichtiges Bindeglied, so Stefan Zeller. „Das, was für die Gemeinschaft wichtig ist, ist auch für die Stiftung wichtig.“ Für wirkliche Präsenz im Unternehmen fehle jedoch Kapazität, resümierten beide. Daher haben sie das Projekt „Ankermenschen“ ins Leben gerufen, das das diakonische Profil des Unternehmens in die Fläche der heute weitgehend säkularen Mitarbeitenden tragen soll. „Wir können als Gemeinschaft das Werteherz sein“, so Stefan Zeller. „Wir müssen nur aufpassen, dass wir nicht irgendwann einen Herzschrittmacher brauchen.“

Auch aus dem äußersten Westen Deutschlands erreichte eine Videobotschaft die Konferenz. Annegret Puttkammer, Direktorin und Theologische Vorständin des Neukirchener Erziehungsvereins, sprach in ihrem Grußwort von ihrem Ziel, dass in jeder Einrichtung ein Diakon oder eine Diakonin arbeite. Denn die Bruderschaft, so Annegret Puttkammer, sei nach wie vor ein wichtiger Teil des geistlichen Profils und somit auch wichtig für die Gewinnung von Fachkräften. Kai-Uwe Wessels, Gemeinschaftsältester der Neukirchener Bruderschaft, ergänzte: „Die Mitarbeiterbindung ist sogar noch wichtiger als das Recruiting und dabei spielt die Bruderschaft eine entscheidende Rolle.“

Durch diese Inputs wurde erneut klar, wie entscheidend die Rolle der diakonischen Gemeinschaften für die Unternehmen ist. Wichtig ist, diese Rolle dem Unternehmen gegenüber klar zu kommunizieren, so das Resümee aus den gemeinsamen Tagen. „Gleichsam ist es gut zu wissen, dass Diakonische Unternehmen ‚ihre‘ Gemeinschaften würdigen und unterstützen“, fasste Diakon Tobias Petzoldt, Geschäftsführer des VEDD, zusammen.